Gabriel Adrianyi, Die Ostpolitik des Vatikans 1958-1978 gegenüber Ungarn


Gabriel Adrianyi, Die Ostpolitik des Vatikans 1958-1978 gegenüber Ungarn

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Während die Haltung Pius XII. gegenüber dem kommunistischen Osten dezidiert kritisch und gegenüber der katholischen Kirche Ungarns außerordentlich freundlich war, begann Johannes XXIII. 1958 eine neue Ostpolitik, die sowohl zum Dialog mit den Machthabern, wie auch zu Konzessionen ihnen gegenüber bereit war. Diese Politik wurde auch von seinem Nachfolger, Paul VI. (1963-1978), mit Hilfe des Erzbischofs Agostino Casaroli fortgesetzt. Meilensteine der neuen Entwicklung waren das Teilabkommen von 1964 mit Ungarn ; in dem der Hl. Stuhl den außerordentlich nachteiligen status quo der Kirche hinnahm ; dann die für die Kirche kaum tragbaren Bischofsernennungen zwischen 1964 und 1978, ferner die Exilierung des Kardinals Mindszenty 1971, schließlich seine Amtsenthebung 1974.
Anhand von Dokumenten aus den Archiven des ungarischen Staatssicherheitsdienstes, des Zentralkomitées der ungarischen kommunistischen Partei und dem Privatarchiv des Verfassers wird die Ostpolitik des Vatikans von 1963 bis 1978 wie folgt beschrieben:
- Die vatikanische Ostpolitik schob die Kirchentreuen beisseite und verhandelte ausschließlich mit den Regierungsbeauftragten und den in die Kirche eingeschleusten Agenten des Staatssicherheitsdienstes,
- Sie nahm bewußt in Kauf, um die Hierarchie aufrechtzuerhalten, moralisch und politisch kompromittierte Priester zu Bischöfen zu ernennen,
- Sie duldete stillschweigend die zersetzende Aktivität der Friedenspriester und prostestierte nie offen gegen die massiven Kirchenverfolgungen,
- Der Vatikan schob als ein Hindernis seiner Ostpolitik Kardinal Mindszenty beiseite und garantierte der ungarischen Regierung ohne Wissen des Kardinals, dass dieser ohne Rehabilitierung Ungarn für immer verlassen, sich in die heimatlichen kirchlichen Angelegenheiten nicht einmischen, und keine für die ungarische Regierung nachteiligen Erklärungen abgeben werde. Außerdem werde er innerhalb von zwei Jahren von seinem Amt zurücktreten, oder aber er werde vom Papst demissioniert. Außerdem sorge der Hl. Stuhl dafür, dass seine Anwesenheit in einem Kloster abgeschirmt werde.
Aufgrund dieser Tatsachen kann die paulsche Ostpolitik im Hinblick auf Ungarn nur negativ bewertet werden.
(Studien zur Geschichte Ost- und Ostmitteleuropas, Bd. 3)

ISBN 3933337291, kartoniert, 14,0x20,0 cm, 186 Seiten, 28 s/w Abb.

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